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ZONENKINDER
von Jana Hensel, erschienen im Rowohlt Verlag
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Wie bin ich auf dieses Buch gekommen?
In der letzten Woche habe ich Euch das Buch
Geteilte Träume von Robert Ide vorgestellt, das ich gerade ausgelesen hatte. Hierin bezieht sich der Autor auch auf die
Zonenkinder von Jana Hensel. Das brachte mich auf den Gedanken, doch mal in meinem digitalen Archiv zu stöbern. Denn vor einigen Jahren habe ich zu diesem Buch ein paar Notizen festgehalten:
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Es wurde vom Spiegel mit den Worten „Jana Hensel hat den Kindern der Zone, der ersten gesamtdeutschen Generation, …ein kleines Denkmal gesetzt...“ hoch gelobt, und tauchte, wie ich hörte, sogar in internationalen Reiseführern als Insidertipp für empfehlendwerte Bücher deutscher Autoren auf.
Angeregt durch eine Kollegin, die mich nach meiner Meinung zu diesem Buch fragte, nahm ich die
Zonenkinder dann endlich auch einmal in die Hand.
Kurz gesagt:
peinlich, zum Aufregen, in sich widersprüchlich, pauschal, kindlich bockig, voller Selbstmitleid und Lethargie
Etwas mehr gesagt:
Womit ich überhaupt nicht klar kam, war die Ausdrucksform des Erzählens aus der Wir-Perspektive. Jana Hensel spricht nicht von sich bzw. in der Ich-Form. Sie schreibt aus der Sicht aller
Zonenkinder, Kinder die in den Siebzigern geboren wurden und zum Zeitpunkt des Mauerfalls in der Pubertät steckten. Da bezieht sie mich mit ein. Aber wie kann die Autorin von
wir sprechen? Als hätten
wir alle das gleiche erlebt, als hätten
wir alle die gleiche Meinung, die gleiche Sichtweise. Das ist definitiv nicht der Fall. Ich bezeichne mich als Individuum und blicke auf eigene Erfahrungen zurück.
Nach Meinung von Jana Hensel – hier spricht sie von
unseren Eltern – "…hat diese Generation früher schon nichts verstanden und versteht heute erst recht nichts. Unsere Eltern sind einfach nur peinlich." Doch waren es zum Beispiel ihre Eltern, die, wie sie selbst schildert, verhinderten, dass sie an die Sportschule, in
das System der Erziehung von Spitzensportlern kam.
Die Autorin lässt auch diese Generation nicht aus: "Na und die Generation der heute Mitt-/Enddreißiger. Denen ging es doch nicht schlecht. Sie haben sich gänzlich aus dem politischen Leben herausgehalten, hörten ihre Musik – hauptsächlich von The Cure – und kleideten sich auch danach. Denen war doch Politik egal." Auch hier wieder – nicht alle dieser Generation sind mit dunkler Kleidung, schwarz gefärbten, toupierten Haaren und stark geschminktem Gesicht durch die Straßen Ost-Berlins gelaufen. Sicher war dieses Auftreten in der Gesellschaft nicht immer vordergründig politisch bestimmt, doch war es ein äußeres Zeichen von Unangepasstheit und Anderssein.
Das Buch ist ein Beispiel von typischem Schubladen-Denken. Jana Hensel kategorisiert in Schwarz und Weiß, in Gut und Böse. Die Autorin liegt in ihrer Hängematte aus Selbstmitleid und Lethargie, die für mich die Aussage beinhaltet:
Wir armen Zonenkinder, wir sind die großen Verlierer der Wende. Alle anderen Generationen hatten es da doch leicht.
Michaela-Dittrich schreibt in ihrem NEON-Artikel
Die kuschlige Zone so schön treffend: "Jana Hensels
Zonenkinder zeigt ein ehemaliges DDR-Kind, das auch heute noch in die Verhaltensmuster ihrer Kindheit zurückfällt."
Mein - dieses Mal etwas längeres - Schlusswort:
Hätte Jana Hensel das Buch aus ihrer persönlichen Perspektive geschrieben, dann müsste ich mich als
Zonenkind sicher nicht dafür schämen und gegenüber Dritten davon distanzieren. Aber so ist es, wie ich finde, ein peinliches Buch für alle
Zonenkinder.
Mir ist es wichtig, die Zwischentöne zu erkennen, die einzelnen Schicksale zu betrachten und nicht zu Verallgemeinern. Die Geschichte kann, auch von denen, die sie selbst erlebt haben, nicht pauschal betrachtet und beurteilt werden, wie es Jana Hensel in meinen Augen mit ihrem Buch
Zonenkinder tut.
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Ich muss vielleicht dazu sagen, als ich das Buch gelesen habe, als ich diese Zeilen vor einigen Jahren schrieb, war ich für ein paar Wochen in Brüssel... Für meine damalige Kollegin die erste Gelegenheit, einen
echten Ossi zu befragen. Da hat es mich schon sehr geärgert, welches Bild die Autorin mit ihrem Buch in der Welt von
unserer Generation hervorgerufen hat.